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Der Totengräber und der Orden des Teufels

In einem Wiener Reichenviertel wird bei der Familie von Tatten eine junge Frau ermordet aufgefunden. Ihr Sohn Ferdinand soll eine Teufelsanbetung durchgeführt haben, bei der ein rituelles Menschenopfer dargebracht wurde. Das Opfer ist Pauline Bellheimer, die Tochter der Nachbarn. Ihr wurde die Kehle durchgeschnitten, Zunge und Herz wurden entfernt und ihr Körper mit satanistischen Symbolen versehen. Alles deutet auf einen satanistischen Ritualmord hin. Der ermittelnde Inspektor Leopold von Herzfeld stößt dabei auf eine Freimaurer-Loge, deren Mitglieder aus den höchsten Kreisen der Wiener Gesellschaft stammen. Parallel dazu bemerkt Augustin Rothmayer, der Totengräber des Zentralfriedhofs, dem nichts entgeht und der die Ruhe liebt, dass auf seinem Friedhof Gräber entweiht werden. Am Ehrengrab Beethovens findet er einen gekreuzigten Pelikan. Empört ruft er die Verlobte seines Freundes Leopold von Herzfeld, die Journalistin Julia Wolf, hinzu, um die Grabschändung zu dokumentieren. Als die beiden den Vogel abhängen, wird ihnen schnell klar, dass es sich um mehr als nur Vandalismus handelt. Sie entdecken auf dem Vogel dasselbe Symbol, welches auch das Mordopfer in Leopolds Fall aufweist. Die Ermittlungen im Mordfall mit der entstellten jungen Frau gehen auch nur sehr mühsam voran, da der einzige potenzielle Zeuge Ferdinand, der Sohn von Sophia von Tatten, nicht vernehmungsfähig ist. Er wurde nackt, blutverschmiert und schlafend gefunden. Dank seiner einflussreichen Mutter landet er aber nicht im Wiener Landgericht, sondern in einem privaten Sanatorium. Julia versucht dort, gemeinsam mit dem zu dieser Zeit noch wenig bekannten Dr. Sigmund Freud, irgendwie doch noch irgendwelche ermittlungsförderliche Informationen aus dem jungen Mann herauszubekommen. Der Inspektor und sein Freund, der Totengräber, stürzen sich derweil in die Recherchen zu dem rätselhaften Symbol und kommen der Wahrheit stückweise gefährlich nahe, um dem Mörder so letztendlich auf die Schliche zu kommen. Keiner von ihnen ahnt allerdings, dass sie den Totengräber damit in tödliche Gefahr bringen!

Oliver Pötzsch ist 1970 geboren und arbeitete nach seinem Studium zunächst bei Bayrischen Rundfunk als Journalist und Filmautor. Mit seiner Familie lebt er als Autor in München. Weit über die Grenzen Deutschlands ist er mit seinen historischen Romanen bekannt geworden. Die Bände der Henkerstochter-Serie sind internationale Bestseller und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Mit seiner Totengräber-Serie landet er regelmäßig auf der Spiegel Bestsellerliste.

Immer wenn ich ein neues Buch der Totengräber-Reihe von Oliver Pötzsch beginne, ist es für mich eine Art „Homecoming“. Alles ist einem schon vertraut und ich freue mich, wieder von meinen Protagonisten zu hören, und zu erfahren, was es Neues gibt und welcher Kriminalfall die Leser beschäftigen wird. Dieses Mal geht es um einen möglichen Ritualmord. Pötzsch versteht es erneut, überaus lebendig das Leben in Wien im Jahre 1896 mit seinem Schmutz, wie auch Glanz und dem Wiener Schmäh in eine Geschichte mit zusätzlichen Inhalten wie Antisemitismus, Geheimbünde sowie die Macht der Presse zu einer klugen, zuweilen fast schon beklemmenden Kriminalgeschichte zusammenzuflechten. Mit der ersten Zeile taucht man wieder ein, freut sich auf die Entwicklung der Hauptakteure und ist gespannt auf den neuen Kriminalfall. Auch die inzwischen liebgewonnen Details, wie die „Dramatis Personae“ am Anfang, der historische Stadtplan in der vorderen Innenklappe und die Erklärung spezieller Wiener Begriffe im Glossar, dürfen natürlich nicht fehlen. Unerwartete Wendungen wie auch der dazugehörige, aufbauende Spannungsbogen sind selbstverständlich und ein Finale Grandioso ebenfalls. Toll fand ich auch den Einbau des jungen Dr. Sigmund Freud in die Geschichte. Ehe man sich versieht, fliegen die Kapitel nur so dahin und die 544 Seiten gehen leider viel zu schnell vorbei. Zwar ist die Geschichte auch ohne Vorkenntnisse der Personen zu verstehen, doch mehr Genuss beim Lesen hat man, wenn man die Vorgängerbände bereits kennt.

Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das historische Fakten, gesellschaftliche Entwicklungen und einen packenden Kriminalfall perfekt verbindet und zu einem hervorragenden Lesevergnügen macht. Für alle Fans von historischen Kriminalromanen ist dieses Buch natürlich ein absolutes Muss und Pflichtlektüre für alle Krimifans!

Michael Müller