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Eine Frau mit berauschenden Talenten

Sie gehört weltweit zu den besten Schauspielerinnen ihrer Zeit, unzählige internationale Auszeichnungen, darunter eine Oscar-Nominierung, belegen dies: Isabelle Huppert lebt ihre Rollen und macht sie so zu einem Ereignis, auf der Leinwand oder der Bühne wird sie zu einer Naturgewalt. Abonniert ist sie auf Rollen undurchsichtiger, vielschichtiger und geheimnisvoller Frauen, eher selten ist sie in Komödien zu sehen. Mit "Eine Frau mit berauschenden Talenten" macht sie eine Ausnahme, und auch hier geht sie ganz in ihrer Rolle auf.

Als alleinerziehende Mutter zweier Töchter hatte es Patience nie leicht. Inzwischen sind ihre Kinder erwachsen und leben ihr eigenes Leben, nun muss sich Patience um ihre demente Mutter kümmern, die in einem Pflegeheim lebt. Die selbstbewusste und schlagfertige Patience kommt mit allem klar, nur nicht so recht mit dem Geld, denn davon hat sie immer zu wenig. Als unterbezahlte Dolmetscherin im Drogendezernat übersetzt sie abgehörte Telefonate der Drogenszene. Als das kostspielige Pflegeheim ihrer Mutter wegen unbezahlter Rechnungen droht, die alte Dame auszuquartieren, kommt Patience eine Idee, wie sie ihre fortwährende Finanznot in den Griff bekommen und ihre Talente versilbern kann. Sie erfährt von einer Drogenlieferung nach Paris, leitet die Drogen um, und beginnt ein Hasch-Vertriebsnetz aufzubauen. Doch den Eigentümern der Drogen gefällt es gar nicht, dass jemand anderes daran verdient, und auch die Polizei - ihre Kollegen - wollen "Madame Hasch" dingfest machen. Ob marokkanische Koffer, Bauchtaschen oder Keksverpackungen: Patience ist die neue Drogen-Autorität der Stadt und für die Polizei ein Phantom. Doch ihr Verehrer Philippe, Leiter der Drogenfahndung, hat einen Verdacht, wer hinter "Madame Hasch" stecken könnte.

Der Film liegt auf DVD in der deutschen und französischen Sprachfassung (Dolby Digital 5.1) vor. An Extras finden sich auf der Silberscheibe Interviews mit Isabelle Huppert und Regisseur Jean-Paul Salomé sowie Casting-Tests.

In den wenigen Komödien, in denen sie bisher mitgewirkt hat, konnte sie immer wieder ihr großes Komödientalent unter Beweis stellen, und auch hier enttäuscht sie nicht. Einmal mehr spielt sie nicht nur, Isabelle Huppert lebt ihre Rolle und geht darin sichtlich auf. Kaum ist sie "Madame Hasch", scheint sie nicht mehr zu stoppen zu sein, und es macht richtig Spaß, ihr dabei zuzusehen.
Und auch die Nebenrollen von "Eine Frau mit berauschenden Talenten" sind grandios besetzt, allen voran der ahnungslose Phlippe, der von Hippolyte Girardot verkörpert wird, oder ihr Duo im Drogenvertrieb, Scotch und Chocapic, dargestellt von Rachid Guellaz und Mourad Boudaoud.

Inszeniert wurde der Film von Jean-Paul Salomé, der zusammen mit der Autorin Hammelore Cayre, von der die Buchvorlage "Die Alte" stammt, das Drehbuch schrieb.

Aufgrund der pandemiebedingten Schließung der Kinos hatte "Eine Frau mit berauschenden Talenten" kaum eine Chance, sein Publikum zu erreichen. Das kann der Film nun im Heimkino nachholen, und gerade im weiteren Lockdown kommt er gerade zur rechten Zeit, denn der Streifen macht einfach gute Laune.
Man sollte ihm aber ein bisschen Zeit geben, sich zu entfalten, da in der ersten halben Stunde erst all die Personen vorgestellt werden. Hat Patience erst einmal den Entschluss gefasst, ihr Leben zu ändern, kommt die Handlung richtig in Fahrt, und so ist es eine wahre Freude, die Geschichte der "Madame Hasch" zu verfolgen.

Wer Lust auf eine schöne, spritzige, typisch französische Komödie hat, wird mit "Eine Frau mit berauschenden Talenten" seine Freude haben, und sich bestens unterhalten fühlen!

Pascal May
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