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Es ist nur eine Phase, Hase

Kaum eine deutsche Komödie kommt mehr ohne Christoph Maria Herbst oder Jürgen Vogel aus. Am besten, man steckt gleich beide in den selben Film, was nun bei "Es ist nur eine Phase, Hase" passiert ist. Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers ist nun auf BluRay und DVD für das Heimkino verfügbar.

"Mein Mann ist mal 800 Kilometer gefahren, nur um mit mir zu schlafen. Jetzt ist ihm schon die andere Seite des Betts zu weit weg", erinnert sich Emilia an die Anfangszeit mit Paul.
Kaum zu glauben, dass Paul und Emilia einmal das Traumpaar schlechthin in ihrem Bekanntenkreis waren. Er, Autor einiger erfolgreicher Romane über die Generation Golf, sie Synchronsprecherin für Telenovelas, gemeinsam haben sie drei Kinder: eine durchgehend wütende Teenager-Tochter, eine überdurchschnittlich kluge 13jährige und einen achtjährigen Sohn, der ständig Fragen hat. Eigentlich haben sie alles, was sie sich wünschen könnten, und dennoch ist nach zwanzig Jahren Ehe alles nur noch Routine, der Zauber ist längst verflogen.
Dazu kommt, dass die körperlichen Gebrechen immer mehr werden, denn mit Ende 40 werden die Haare dünner, die Sehkraft nimmt rapide ab und die Libido ebenso. Und das, wo sie eben noch jung waren, aber das sind inzwischen nur noch die anderen.

Nachdem Emilia eine Affäre mit dem jüngeren Ruben beginnt, schlägt sie eine Pause von der Ehe vor. Während sie das Leben neu genießt, steht er am Abgrund seines Lebens. Da helfen die eher zweifelhaften Ratschläge von Pauls Freunden Theo und Jonathan nicht wirklich, denn Antidepressiva, jüngere Frauen und Metallkugeln sind nicht jedermanns Sache. Zu allem Überfluss ist Paul auch im Beruf nicht erfolgreich, sein neues Buch wird vom Verleger als "hoffnungslos" abgelehnt.
Als die Situation zwischen Paul und Emilia auf einem 50. Geburtstag eskaliert, bleibt wohl nur noch die Scheidung. Aber was sagen die Kinder dazu?

Der Film liegt auf BluRay in der deutschen Sprachfassung (DTS-HD MA 5.1) vor. An Bonus-Material gibt es Interviews mit den Darstellern, die Specials "Hinter den Kulissen" und "Christoph & Christiane" sowie ein 90er-Quiz.

Das "Trostbuch für Alterspubertierende", wie der Untertitel der Literaturvorlage lautet, führte wochenlang die Bestseller-Listen an. Die Autoren, die Journalisten Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch, bedienen inzwischen mit mehreren Büchern die Klientel der mittelalten Männer in Lebenskrisen. In "Es ist nur eine Phase, Hase" beschreiben sie in mehreren Episoden die besondere Herausforderungen des Alterns am Beispiel von Männern um die fünfzig. Der Regisseur Florian Gallenberger hat zusammen mit den beiden Autoren diese Episoden zu einer ganzen Geschichte zusammengefasst und eine sehr amüsante Beziehungskomödie daraus gemacht.

Gallenberger vereint in "Es ist nur eine Phase, Hase", der seine Weltpremiere auf dem letztjährigen Zürich Film Festival hatte, neben den beiden Hauptdarstellern Christoph Maria Herbst und Christiane Paul zahlreiche große Namen des deutschen Films, so auch Jürgen Vogel, Ulrich Tukur, Bettina Lamprecht, Peter Jordan, Heinrich Schafmeister und Cordula Stratmann.
Bei der Story wird kaum ein Klischee der Midlife-Krise ausgelassen, doch selbst die werden klug und witzig in die Geschichte eingeflochten, dass es Spaß macht, Paul und Emilia in ihrer Krise zu begleiten und ihre unbeholfenen Schritte in die Welt der Ehe-Pause mitzuerleben. Dazu gibt es witzige, mitunter sehr skurrile Kurzauftritte (die gedachte Fahrt auf der Formel 1-Strecke, die Auswirkungen von zu viel Viagra oder der frustrierte Verleger), bei denen die Zuschauer wirklich den Eindruck haben, dass sie nicht einfach in die Story gequetscht wurden, sondern wirklich genau da hingehören.

"Es ist nur eine Phase, Hase" hat nicht nur die mittelalten Männer im Blick, der Film unterhält generationenübergreifend, was vor allem daran liegt, dass die Zuschauer viele der gezeigten Situationen so oder so ähnlich erlebt haben, und daher tiefes Verständnis zu den gezeigten Figuren zeigen.
Wer den Film im gerade wieder anlaufenden Kino im Sommer 2021 verpasst hat, kann ihn nun getrost im Heimkino nachholen, denn die nur wenigen Zuschauer aufgrund der großen Fülle der Auswahl an Filmen, die damals gestartet sind, hat er nicht verdient.

Ein sehr schön gemachter Film zum Wohlfühlen, auch oder gerade wegen der selbst miterlebten Krisen, der sich dem internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht!

Pascal May
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