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Extrawurst

Nachdem es in den vergangenen Jahren stiller um Hape Kerkeling geworden ist, scheint man ihm heute kaum mehr entkommen zu können: Er kommentiert den Eurovision Song Contest, leitet die siebte Staffel von "LOL", hat seinen zweiten Film mit seiner Kunstfigur „Horst Schlämmer“ in die Kinos gebracht und ist in diesem Jahr gleich noch mit einem zweiten Film, der Verfilmung des Theaterstücks „Extrawurst“, an den Kinokassen vertreten. Letzteren gibt es jetzt für das Heimkino im Stream, auf DVD und BluRay zu kaufen.

Eigentlich geht es ja nur um einen neuen Grill für den Tennisclub Lengenheide, weil ein neuer Grill „im Peak mehr Würste grillen kann“ als der alte, wie der ewige stellvertretende Vorsitzende Matthias Scholz bei der Mitgliederversammlung des Clubs in seiner Präsentation ausführt. Für den Vorsitzenden des Tennisclubs Heribert Bräsemann, der das Amt seit nun mehr 25 Jahren ausfüllt, ist der Fall klar, der neue Grill wird beschafft und „Streusand drauf“. Melanie Pfaff, die große Doppel-Hoffnung des Vereins, regt nur an, dass man ja noch einen zweiten Grill für die religiösen Minderheiten des Clubs anschaffen könnte, so als Zeichen der Toleranz, damit die mitgrillen können, wenn die meisten Clubmitglieder ihre Schweinewürste grillen wollen. Ihr Doppelpartner und einziger Muslim im Club, Erol, ist es eigentlich egal, aber nett wäre es schon, wenn auch seine Familie mitgrillen könnte. Aus dieser simplen Anregung entsteht eine heftige Diskussion, in denen die Emotionen hochkochen und alles, was sich in letzter Zeit rund um den Club angestaut hat, raus muss. Plötzlich geht es auch um die Vereinsführung, wie lange man sich nach einem Sieg umarmen darf, um die kaputte Ballmaschine, die freie Entscheidungsfindung einer Ehefrau, was überhaupt auf den Grill darf, ob es Gott gibt, wieso es auch deutsche Muslime gibt, Cancel Culture und Wokeness. Selbst die Zukunft des Tennisclubs, einziger Lebensinhalt des Vorsitzenden, steht auf dem Spiel. Es wird viel diskutiert und gestritten, so dass eine Einigung kaum mehr möglich scheint. Oder doch?

Der Film liegt auf DVD in der deutschen Sprachfassung (Dolby Digital 5.1) und einer Hörfilmfassung für Sehbehinderte (Dolby Digital 2.0) vor. An Extras findet sich lediglich ein dreiminütiges Making Of.

Nachdem der deutsche Komödienfilm längst Bühnenstücke als Grundlage gefunden hat, und das nicht erst seit „Caveman“, wurde nun der nächste Theatererfolg verfilmt. „Extrawurst“, Theaterstück wie auch Filmdrehbuch, stammen von den beiden preisgekrönten Comedy-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die auch schon für „Stromberg“, „Hurra Deutschland“ und „Anke“ geschrieben haben. Die Regie führte der bayerische Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der vor allem für seine Filme „Wer früher stirbt, ist länger tot“, „Beckenrandsheriff“ und „Pumuckl und das große Missverständnis“ bekannt ist, und seit Jahren für die Inszenierung beim Singspiel zum Starkbieranstich auf dem Nockherberg verantwortlich zeichnet.
Besetzt wurde „Extrawurst“ mit großen Namen des deutschen Films, allen voran mit Hape Kerkeling als Clubvorsitzender, Friedrich Mücke als dessen Stellvertreter, Christoph Maria Herbst und Anja Knauer als aus Berlin zugereiste Mitglieder und Tennishoffnung sowie Fahri Yardim als Doppelpartner mit muslimischem Glauben Erol.

Bei all diesen Vorzeichen, Drehbuchautoren, Regisseur und Besetzung, sollte doch eigentlich nichts schief gehen können, wenn es um eine neue deutsche Komödie gehen soll.
Nun, eine Komödie ist „Extrawurst“ nicht geworden, es ist ein handfestes Drama, in dem hier und da ein paar lustige Sprüche in die Runde geworfen werden. Dieses ewige Festhalten am „das wird man doch noch sagen dürfen“ ist inzwischen so durch, dass man es nicht einmal mehr in einer Komödie hören möchte. Dazu wird in diesem Film ein Klischee nach dem anderen durch den Tennisclub getrieben wie auch dazugehörige Generationenkonflikte, dass es einen nur noch langweilen kann, und so kommen den Zuschauenden beim Betrachten des Film immer wieder die Fragen auf, wann denn die Komödie anfängt und wieso es hierfür die großen Namen der Comedy gebraucht hat.

Wer, wo auch immer, Vereinsmitglied ist, hat solche Mitgliederversammlungen schon öfter durchleben dürfen, und so bietet der Film nichts Neues und schon gar nicht Lustiges. Selbst als der Clubchef Heribert am Ende einen Witz erzählt, den alle den Film über als sehr gut bezeichnet haben, muss er feststellen, dass der Witz nicht lustig ist. Und so geht es auch den Menschen, die den Film gesehen haben – er ist nicht lustig.
Hätten Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst mehr Raum in diesem Film gehabt, hätte es doch noch eine Komödie werden können, aber nachdem Regisseur Rosenmüller, wie in dem kurzen Making Of zu erfahren ist, seinen Darstellenden haarklein erklärt hat, wie sie die Rolle spielen sollen, war da nichts an Improvisation möglich.

„Der Vorname“, „Frau Müller muss weg“ und „Das perfekte Geheimnis“ funktionieren mit ihren komischen Dialogen und absurden Situationen als für das Kino adaptierte Bühnenstücke deutlich besser als „Extrawurst“ - oder man hätte den Film trotz der Besetzung mit Comedy-Künstlern gleich als Drama benennen sollen, das wäre passender gewesen.

Die über zwei Millionen Besucherinnen und Besucher, die „Extrawurst“ im Kino gesehen haben, haben wohl vor allem wegen der Darstellenden eine Kinokarte gelöst. Alternativ sind es diejenigen, die noch nie eine Mitgliederversammlung eines Vereins miterlebt haben.

Pascal May