
Vor genau einem Jahr hatte "Obsession" seine Premiere beim Toronto International Film Festival, danach feierte er seinen Siegeszug durch zahlreiche andere internationale Festivals und wurde mit vielen Auszeichnungen, unter anderem als bester Horrorfilm, bedacht, bevor er am 25. Juni 2026 in die deutschen Kinos kam. Nun gibt es den Film aus dem Hause Blumhouse für das deutsche Heimkino auf BluRay und DVD.
Baron, Nikki, Ian und Sarah arbeiten seit sieben Jahren zusammen im Musikgeschäft von Sarahs Vater. Längst sind sie Freunde, Ian ist Barons bester Freund und Nachbar, und die vier unternehmen viel zusammen. Einmal die Woche gehen sie gemeinsam an ihrem "Friend's Day" aus. Baron, der Bear genannt wird, ist schon lange in Nikki verliebt, ist aber viel zu schüchtern, um ihr seine Gefühle zu gestehen, da hilft auch kein Proben mit der Kellnerin aus dem Diner. Als Nikki Bear erzählt, dass ihre Kristallkette im Abfluss verloren gegangen ist, zieht er gleich los, um ihr eine neue Kette zu kaufen. Doch in dem Laden findet er etwas Spannenderes: ein Holzstück, das einen Wunsch erfüllt! Für 6,99 Dollar kauft er einen "One Wish Willow" und möchte es Nikki schenken, doch auch das traut er sich nicht. Also probiert er es selbst aus, und wünscht sich, dass ihn Nikki liebt, wie nichts anderes auf der Welt. Dieser Wunsch geht sofort in Erfüllung! Nachdem er eine tolle Zeit mit Nikki verbracht hat, verändert sich seine Herzdame, wird immer seltsamer und möchte ihren Bear mit niemandem mehr teilen. Sie verklebt die Tür ihres Hauses mit Klebeband, damit Bear nicht zur Arbeit gehen und sie alleine lassen kann. Und das ist erst der Anfang, zu dem Nikki fähig zu sein scheint, jeden Tag wird es schlimmer mit ihr, und es gibt nur einen Ausweg, diesen Wunsch zu beenden.
Der Film liegt auf BluRay in der deutschen, englischen, französischen, italienischen und katalanischen Sprachfassung vor. An Extras gibt es einen Audiokommentar mit Regisseur, Drehbuchautor und Editor Curry Barker sowie ein knapp 20 minütiges Making-Of.
Es ist erst Curry Barkers zweiter Langfilm, den er als Regisseur realisiert hat, und schon hat er der Produktionsfirma Focus Features den erfolgreichsten Film in deren Firmengeschichte beschert: Bei einem Budget von 750.000 Dollar hat der Film international mehr als 509 Millionen Dollar eingespielt und mehrfach eine Auszeichnung als bester Horrorfilm!
Die Idee ist nicht neu. Schon oft wurde in Filmen und Serien überlegt, was wäre, wenn ich einen Wunsch frei hätte? Was würde ich mir wünschen und wie wäre es, wenn der Wunsch in Erfüllung ginge?
Schon 1946 hat Regisseur Frank Capra mit dem Weihnachtsdrama "Ist das Leben nicht schön?" diese Überlegung ausgesponnen, und James Stewart in eine Welt, in der es ihn nicht gibt, katapultiert. 1960 kam der DEFA-Film "Was wäre, wenn...?" in die Kinos der DDR, in dem es nicht um eine Liebe, sondern darum ging, dass ein an der innerdeutschen Grenze gelegenes Dorf an die Bundesrepublik abgetreten werden soll. Die deutsche Mystery-Webserie "Wishlist" des öffentlich-rechtlichen Jugendsenders Funk aus dem Jahr 2016, hat die Idee etwas weiter geführt. Hier kann sich jeder etwas wünschen, wird aber durch eine App dazu aufgefordert, zu unterstützen, um den Wunsch eines anderen in Erfüllung gehen lassen zu können.
Der bisher bekannteste Horrorfilm mit einem solchen Szenario war "Wish Upon" aus dem Jahr 2017.
Nun zwingt der einsame Baron seine heimliche Liebe Nikki, ihn zu lieben. Aber nicht nur zu lieben, denn so sehr zu lieben, wie nichts anderes. Das allein hat schon Potenzial für einen Horrorfilm. Was Regisseur und Drehbuchautor Curry Barker verleidet jedem die Sehnsucht nach einem freien Wunsch.
"Obsession - Du sollst mich lieben" ist kein knallharter Horror-Schocker, dagegen spricht schon die Altersfreigabe ab 16 Jahren. Wer auf jede Menge Splatter-Szenen hofft, wird bei diesem Film enttäuscht. Davon gibt es nur wenige, und mehr als ein bisschen Blut ist dabei auch nicht zu sehen.
Überlege Dir genau, was Du Dir wünschst, denn es könnte in Erfüllung gehen. Dieser Spruch gilt in dieser Geschichte ganz besonders. Michael Johnston spielt den einsamen Bear, der sich nichts mehr wünscht, als endlich von seiner heimlichen Liebe Nikki, gespielt von Inde Navarrette, gesehen und geliebt zu werden. Die Freunde Ian und Sarah kommen in der Handlung kaum vor, es sei denn für schnelle Schreck-Effekte.
Vieles hat man schon gesehen, die Handlung gibt auch nicht besonders viel her, und auch der Wechsel der klaren mit der besessenen Nikki ist nicht sonderlich originell. Wie kam es also zu diesem weltweiten Kinoerfolg?
Aus der Not heraus, ein relativ kleines Budget für die Filmproduktion gehabt zu haben, hat sich das Marketing vor allem der kostenlosen Social Media bedient. Das Thema der Geschichte ist jedem bekannt, spricht also eine große Menge an, und so gingen die Post mit Ausschnitten aus dem Film viral. Dazu kommt, dass der Film erst ein halbes Jahr von einem Festival zum nächsten weitergereicht wurde, und so die Zeit bekommen hat, zu einem echten Phänomen zu werden, das sich dann an der Kasse ausgezahlt hat.
Freunde von Dramen und Horrorfilmen kommen hier nicht wirklich auf ihre Kosten, dazu hat man das alles schon zu oft in ähnlicher Weise gesehen.
Wer solche Filme noch gar nicht kennt, kann sich mit "Obsession - Du sollst mich lieben" erschrecken und unterhalten lassen, hier und da kann dabei sogar etwas Popcorn durch die Luft fliegen. Wer mehr als leichten Horror erleben möchte, ist hier aber falsch.
USA 2025, 105 Minuten
mit Michael Johnston, Inde Navarrette
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